Ökonomie & Technik

Eine Vielzahl an Chancen und Herausforderungen

Die Region Africa, Middle East & Turkey (AMET) zählt aktuell zu den größten Wachstumsregionen. Aus diesem Grund hat ALPLA seine Marktpräsenz mit Zukäufen und Kooperationen in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.

 

Positiv ist, dass auch das Thema Nachhaltigkeit in dieser Region immer wichtiger wird – was uns als Unternehmen sehr freut. Was sich dabei genau tut, haben wir mit Christoph Riedlsperger, Regional Director for AMET, und Bettina Bechter, Assistant to Regional Director and Sustainability responsible for AMET, besprochen:

 

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„Wir spüren täglich, dass sich in der Region was tut“

 

Welche zentralen Faktoren und Rahmenbedingungen zeichnen die Region Afrika, Mittlerer Osten und Türkei aus?

Christoph Riedlsperger: Was wir in den letzten Monaten deutlich spüren, ist, dass die Kundenerwartungen gerade im Bereich Nachhaltigkeit immer größer werden, obwohl das Thema in der Region lange Zeit nicht präsent war. Dass sich das mittlerweile gedreht hat, sehen wir als Unternehmen natürlich positiv. Aktuell versucht jeder, seine Ziele umzusetzen: Kunden, die ihre CO2-Ziele erreichen möchten, und auch Regierungen, die verpflichtende Recyclinganteile gesetzlich festlegen. Ein Problem dabei ist, dass der Markt nicht ausreichend Recyclingmaterial bietet, was die Umsetzung für uns und unsere Kunden schwieriger macht.

Wir haben uns daher zum Ziel gesetzt, das Problem selbst in die Hand zu nehmen und sowohl die Regierungen als auch unsere Kunden zu unterstützen und in die richtige Richtung zu lenken. In der Region Afrika, Mittlerer Osten und Türkei stehen wir dabei noch am Anfang und wollen nun Schritt für Schritt vorankommen.

Bettina Bechter: Speziell in der Türkei erreichen uns immer wieder Anfragen von Kunden, die sich dafür interessieren, was hinsichtlich Nachhaltigkeit bereits passiert und was sie tun können, um ihre CO2-Ziele zu erreichen. Dank den Schulungen unserer Academy und dem Nachhaltigkeitsteam in Hard können unsere Mitarbeitenden vor Ort den Kunden unterstützend zur Seite stehen und an gemeinsamen Lösungen arbeiten. Zudem haben wir intern eigene Nachhaltigkeitsteams aufgestellt und arbeiten bereits an einigen Projekten.

 

In Europa spricht die Industrie von Kreislaufwirtschaft, wie steht es um diesen Trend in der Region AMET?

Christoph Riedlsperger: Das Thema ist in einigen Ländern schon präsent, in manch anderen steht es noch in den Startlöchern. In Südafrika gibt es beispielsweise Bemühungen, das Thema Kreislaufwirtschaft zu erarbeiten und voranzutreiben. Dabei gibt es wie in Europa auch Vereinigungen und Interessensvertretungen, wobei sich die Zusammenarbeit mit der Regierung oft als schwierig erweist. Für uns als Unternehmen gilt es, zu vermitteln und die zentralen Themen über die Interessensvertretungen in die Regierung zu bringen bzw. selbst den Kontakt zu suchen.

In anderen Ländern, wie der Türkei, Ägypten oder auch Saudi-Arabien, sieht die Situation noch anders aus. Hier gibt es aktuell keine Projekte nach dem Bottle-to-Bottle-Prinzip. Auch wenn die Region insgesamt im Bereich der Kreislaufwirtschaft noch in den Kinderschuhen steckt, werden die ersten Stimmen in die richtige Richtung laut. Jedoch ist noch nicht klar, wohin das Material der Recycler geht und wer wie viel davon bekommt. Aktuell geht vieles davon in den Textilbereich. Hier gilt es auch für uns anzusetzen und Lösungen zu finden. So überlegen wir genau, wo Investitionen Sinn machen und wo nicht. In der Türkei wurde zum Beispiel in Kooperationen investiert, um dort gesammeltes und produziertes rHDPE-Material für uns nutzen zu können.

 

Welche Maßnahmen setzt ALPLA, um eine energieeffiziente und nachhaltige Produktion in der Region zu gewährleisten?

Christoph Riedlsperger: Wie schon erwähnt, gibt es zum Beispiel in der Türkei Investitionen im rHDPE-Bereich. Ein zweiter Aspekt, um eine energieeffiziente und nachhaltige Produktion sicherzustellen, ist das Thema Solarenergie. Hier sind aktuell mehrere Projekte in Planung bzw. in Umsetzung. In Dubai arbeiten wir beispielsweise mit einem Partner zusammen, welcher die Anlagen auf unserem Werk installiert und wartet. Ein Teil des gewonnenen Stroms wird günstiger an uns verkauft – der Rest steht ihm selbst zur Verfügung. Eine Win-win-Situation.

Auch in unserem neuen Werk in Lanseria, Südafrika ist geplant, dass ein lokaler Partner die Solar-Panels installiert und betreibt. So wollen wir Schritt für Schritt vorangehen und dies auf weitere Werke ausweiten. So kommen wir gemeinsam zu umweltfreundlicherem Strom.

Bettina Bechter: In der Türkei und im Cluster SSA (Sub-Sahara Africa) haben wir bereits Nachhaltigkeitsteams aufgestellt. MENA (Middle East & North Africa) folgt zum Ende des  Jahres. Unser primäres Ziel ist, unter den Mitarbeitenden ein Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit zu schaffen. Wir möchten aufzeigen, dass auch kleinere Projekte, wie Zero Pellet Loss, wichtig sind. Durch die große und zeitintensive Unterstützung von Aswathy Koottummel vom Corporate Sustainability Team konnten so bereits spezielle Trainings zu den Themen Umweltschutz, Klimawandel und Nachhaltigkeit an die Bedürfnisse der Region angepasst und durchgeführt werden. Dass zusätzliche Schulungen im Bereich Recycling fast immer ausgebucht waren, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und ein großes Interesse von Seiten unserer Mitarbeitenden besteht. Genau hier wollen wir auch zukünftig weitermachen.

 

Ist auch in Afrika, dem Mittleren Osten und der Türkei der Spirit der ALPLA Familie gegenwärtig? Welche Initiativen setzt ALPLA im sozialen Bereich?

Christoph Riedlsperger: In den Ländern der Region AMET ist es eher unüblich, Projektgruppen zu haben, die über alle Führungsebenen gehen. Dem ALPLA Spirit folgend, haben wir daher die Corporate Sustainability Teams in den Clustern bunt gemischt und das kommt bei allen Mitarbeitenden sehr gut an. Durch diese Durchmischung über verschiedene Abteilungen und Ebenen steigt auch die Motivation bei jedem einzelnen, die gestarteten Projekte gemeinsam voranzutreiben und neue Projekte zu finden.

Bettina Bechter: Schön zu sehen ist, dass sich mittlerweile eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat und eigene Nachhaltigkeitsideen aus den Regionen kommen. Auch das ist Teil des Spirits der ALPLA Familie – dass jeder Einzelne seine Ideen miteinbringen kann.

Christoph Riedlsperger: Im sozialen Bereich gibt es von Regierungsseite mehrere Projekte, die man unterstützen muss. An diese Vorgaben halten wir uns und übererfüllen diese teilweise. In Südafrika wird zum Beispiel eine gewisse Diversität in den verschiedenen Ebenen vorgeschrieben. Begonnen bei Level 8 stehen wir heute beim höchsten Level 1 und haben somit deutlich mehr erreicht, als gefordert gewesen wäre.

Ein weiteres schönes Beispiel ist Saudi-Arabien. Hier gehört ALPLA zu den ersten Unternehmen, welche Frauen beschäftigt haben. Nachdem dies zu Beginn aufgrund der Richtlinien vor Ort etwas kompliziert war, wurde es rasch entspannter und hat sich mittlerweile etabliert. Insgesamt ist der Kulturmix vor Ort dort sehr groß und das freut uns und unsere Mitarbeitenden.

 

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